Dienstag, 13. Dezember 2011

Glückskeks

So, wer jetzt die folgende, olle Kamelle liest, könnte auf die Idee kömmen, ich hätte die Idee bei "Hangover" geklaut.

Tatsächlich stammt die Story aus dem Jahr 2006 und das weiss ich so genau, weil ich darin das Geburtsdatum meiner damaligen Beziehung (9.4.) verarbeitet habe.

Ok...los gehts:

Missmutig hockte Justus auf dem Küchentisch, ließ die Beine baumeln und sah vor sich auf den Fußboden.

Er hatte sich mal wieder maßlos aufgeregt.

Und das hieß bei ihm schon etwas.

Normalerweise die Ruhe selbst und eigentlich kaum aus selbiger zu bringen, bedurfte es schon einer mittelschweren Katastrophe um ihn wütend zu machen.

Und die Katastrophe war eingetreten.

Sein Kühlschrank war leer und er hatte Hunger wie ein ausgehungerter Asket.

"Verdammt." dachte er, während er verzweifelt durch die Wohnung irrte "irgendwo muss es doch hier etwas zu essen geben..."

Er setzte sich auf das Sofa und gab sich seinen trüben Gedanken hin.

Ohne es zu bemerken verirrte sich seine Hand in die Sofaritze, suchte darin herum und stieß auf etwas in einer leise knisternden Verpackung.

Neugierig versuchte er das seltsame Knisterding zu fassen.

Doch immer wenn er dachte, er hätte es, rutschte es tiefer und tiefer in den engen Spalt.

Sein Jagdinstinkt war geweckt, er kniete auf dem Sofa, Schweiß auf der Stirn, und endlich, sein Arm steckte schon bis zur Schulter in der Ritze, konnte er das Ding greifen und unter Aufbietung all seiner Kräfte hervor ziehen.

"Chinesischer Glückskeks." las er und wollte vor Freude einen Salto rückwärts schlagen.

"Na, wenn DAS kein Glück ist..."

Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern packte er den Keks aus, steckte ihn in den Mund, kaute und versuchte ihn zu schlucken.

Dabei drehten sich seine Gedanken bereits um das unglaubliche Glück, dass ihm heute begegnen würde.

Geld, Gold, Reichtum, ein Palast am Meer, geile Weiber...heute würde ihm alles gelingen.

Justus war so in seinen Gedanken vertieft, dass er den kleinen Zettel, der in seinem Hals steckte, erst bemerkte, als er vor lauter Atemnot bereits blau angelaufen war.

"Was ist das???" krächzte er und versuchte den Zettel zuerst hinunter- und dann wieder hoch zu würgen.

Doch das Papier klebte in seinem Rachen fest.

Justus geriet in Panik.

Er taumelte zum Kühlschrank, riss die Türe auf und griff nach der ersten besten Flasche die ihm in die Finger kam.

Zu seinem Unglück war es eine 0,7 Liter Flasche Jägermeister, die er in einem Zug austrank und damit tatsächlich den kleinen Zettel löste und hinunterspülte.

Eine Minute später begann sein Filmriss.

Als er wieder in die Realität zurückkehrte, fühlte er sich denkbar schlecht.

Zuerst verschwommen, dann immer deutlicher, nahm er seine Umgebung war. Justus lag in einem fremden Zimmer in dem die Farbe Rosa alles beherrschte, auf einem herzförmigen, ebenfalls knallrosa Bett und neben ihm lag Oma Walton und schnarchte, dass das Bett vibrierte.

Justus standen die Haare zu Berge.

"Das darf doch nicht wahr sein." fluchte er und sprang auf "Wie komm ich hier her und wer, zum Teufel, ist DAS da neben mir?"

Er sah aus dem Fenster und an den unzähligen, blinkenden Leuchtreklamen erkannte er, dass er in Las Vegas sein musste.

Auf dem Boden fand er ein Polaroidfoto, das ihn und die Frau bei einer Schnellhochzeit zeigte.

"Um Gottes Willen, ich habe geheiratet..."

Leise zog sich Justus an, klaubte noch schnell die, ebenfalls auf dem Boden liegenden, Casinochips (im Wert von 10 Dollar) zusammen und schlich aus dem Zimmer.

Er fuhr mit dem Aufzug hinunter und stand plötzlich, er wusste selbst nicht, wie er dort hingekommen war, mitten im Trubel eines Glückspieltempels namens "Blue Star Casino".

Er schlenderte zum Roulettetisch, setzte alles auf die 9 und gewann.

Überzeugt eine Glückssträhne zu haben, weil der Keks endlich wirkt, setzte er nun alles auf die 4 und gewann wieder.

Dann alles auf die 33.

Er gewann wieder und nachdem er nochmal alles auf die 1 und dann auf die 10 gesetzt hatte, war die Bank gesprengt und Justus ließ sich seinen Gewinn auszahlen.

Er verließ das Spielcasino, nahm ein Taxi zum Flughafen und buchte einen Flug nach Hause.

Lachend stieg er 20 Stunden später vor seinem Haus aus dem Taxi, gab ein fürstliches Trinkgeld und als das Taxi hinter der nächsten Ecke verschwunden war, bemerkte er, dass er sein Vermögen darin vergessen hatte.

"Verdammt..." schrie er und riss sich ein Büschel Haare aus "der ist über alle Berge mit dem Geld. Das siehst du nicht wieder..."

Vollkommen gefrustet stieg er die Treppe zu seiner Wohnung hoch, schloss die Türe auf und trat auf ein knisterndes Stück Kekseinwickelpapier.

Er hob es auf und warf es in den Mülleimer.

"Scheiß Pechtag aber auch." seufzte er "Ich glaube der Keks war nicht mehr gut."

Mit noch immer knurrendem Magen legte er sich ins Bett, schlief ein und träumte er wäre in der Hölle, wo er zusammen mit Pavarotti einen Glückskeks nach dem anderen essen musste.

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